Nora Wagner

Almost Flying

Almost Flying
Performance, video installation (30 min)
Tjurip, Saarbrücken, 2016

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1. Das spezifische Gewicht der fliegenden Vögel ist in Bezug auf die Körpermaße gleich dem spezifischen Gewicht der Säugetiere, und zwar um ein geringes schwerer wie Wasser, so daß diese Körper ohne Luftfüllung in ihren Lungen im Wasser gerade untersinken.

2. Das spezifische Gewicht des Menschenkörpers ist ebenfalls abhängig von dem Luftgehalt der Lunge. Mit lufterfüllter Lunge kann man, wie jeder geübte Schwimmer weiß, regungslos auf dem Wasser liegen, weil so Gesicht mit Nase und Augen aus dem Wasser hervorsieht. Der ertrinkende Mensch geht, wie jedes Tier, im Wasser unter, nachdem die Lunge sich mit Wasser statt mit Luft gefüllt hat. Erst wenn nach einigen Tagen Fäulnisgase sich im Körper entwickeln, heben sie den Kadaver an die Oberfläche.

3. Der Vogel [Wort unverständlich] des Rauminhalts, den er mit seinen Federn einnimmt, hat ein spezifisches Gewicht, welches unter Eins liegt, also unter dem des Wassers. Beim Fliegen kommt es mehr auf das absolute Gewicht als auf das spezifische Gewicht an, denn die Anzahl Gramm, welche der Vogel wiegt, müssen gehoben werden, und je mehr Gramm er wiegt, desto größer ist die Anstrengung des Fliegens. Da ich noch nachweisen könnte, daß ein Vogel um so leichter fliegt, je schneller er fliegen kann, so folgt daraus, daß das Fliegen umso leichter ist, je weniger Querschnitt der Vogel besitzt, je kleiner der Rauminhalt des Vogels also ist. Wenn nun die Kraftleistung des Vogels ungefähr proportional seiner Masse ist, so fliegt der Vogel umso leichter und besser, je größer sein spezifisches Gewicht ist; denn sein Rauminhalt kann nur kleiner werden bei Vergrößerung des spezifischen Gewichtes. Wir finden deshalb bei schnell  fliegenden Vögeln die Federn äußerst glatt und straff am Körper anliegen.

4. Siehe 1.

5. Es gibt keinen Körper, welchen man auf sein spezifisches Gewicht leichter beurteilen könnte als den Fisch. Der Fisch wiegt genau so viel als das von ihm verdrängte Wasservolumen. Deshalb ist sein spezifisches Gewicht gleich dem des Wassers, also gleich Eins. Viele Fische können mit Hilfe Ihrer Schwimmflossen eine geringe [Wort unverständlich] ihres spezifischen Gewichtes hervorrufen. Da das Wasser 800mal so schwer ist als Luft, ist also auch der Fisch spezifisch 800mal schwerer als Luft und würde deshalb auch wohl, mit menschlichem Verstand ausgestattet, in der Luft nicht schwimmen können.

6. Gewiß schwebt oder fliegt der Mensch im Wasser.

Otto Lilienthal

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Ich sammle Federn, Grau in der Stadt, die Tauben überwiegen.

Ich sammle Federn, an manchen perlt der tau, an anderen klebt der letzte Angstkot vor dem Tod.

Was wiegt mehr? Waser oder Angst?

Ich sammle Federn, streife mir die Haut ab und baue mir Flügel, will fliegen ohne Vogel zu sein, schwimmen ohne Fisch zu werden, den Himmel durchqueren ohne die Luft zu spüren. Oder aber wie ein fliegender Fisch über die Horizonte balancieren.

Der Mensch fliegt im Wasser. Solange er genug Luft in seinem Körper trägt.

Man braucht also ein Stück Himmel in der Lunge um im Meer zu schweben.

Vogelperspektive.

Vom Fall zu Flug.

Es konnten mit Der Flugmaschine nur Stehversuche gemacht werden. War ein Flügel erst zu hochgekommen, so war es unmöglich denselben wieder niederzudrücken, und man musste dem Wind nachgeben um ein Zerbrechen der Flügel zu verhindern. Dabei drehte sich das ganze System herum sodass der Wind von hinten unter die Flügel blies und den ganzen Apparat umkippte. So dass man auf den Kopf zu stehen kam.

Nicht mehr wissen wo oben und unten ist.

Umgestülpte Horizonte.

Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend nach Luft ringen.

Ein Seltanz zwischen ertrinken und verbrennen, ein Seiltanz zwischen dem Himmel und dem mehr, zwischen untergehen und abheben.

über den Horizont balancieren.

Ich baue mir Flügel und wünsche mir Schuppen, doch über mir spannt meine nackte Haut. Und das Wachs meiner Flügel schmilzt langsam unter der Hitze der Sonne.

Ich stehe am Abgrund und spüre den Sog der ELemente, nur noch sich selbst als Konsequenz zu tragen haben.

Ich stehe am Abgrund, und es fehlt ein Schritt…

Um fast zu fliegen…

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